Entstehung und Entwicklung des Partnerschaftsprojekts

Ancuabe 1999Die Stadt Ancuabe hat 25.000 Einwohner, aber man muß schon genau hinschauen um die Häuser aus Holz, Lehm und Stroh zu entdecken.

Die Schulpartnerschaft mit Ancuabe in der Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks hat ihre Wurzeln in der Friedensgruppe. Sie ist entstanden in einer Zeit, als die Entwicklungshilfe ins Gerede gekommen war und Zweifel daran aufkamen, ob die Spendengelder auch dorthin gelangten, wo sie gebraucht wurden und wofür sie gesammelt wurden.

Die damals sehr aktive Friedensgruppe in Altena war der Meinung, Solidarität mit den Menschen in der Dritten Welt gehört zur Friedensarbeit und lud im Herbst 1982 zwei Lehrer von der Anne-Frank-Hauptschule in Lennestadt-Meggen ein, die schon seit mehreren Jahren Kontakt nach Mosambik hatten, dort ein Schulzentrum für durch den Krieg eltern- und heimatlos gewordene Kinder aufbauten und unterstützten und gerade von einer Reise in die Provinz Tete im Nordwesten Mosambiks zurückgekehrt waren.
Ihre Bilder und Berichte überzeugten uns. Hier war ein überschaubares Projekt und man konnte sich durch den Augenschein davon überzeugen, daß die Hilfsgüter an Ort und Stelle ankamen. Die Altenaer Gruppe entschloß sich, das Projekt zu unterstützen.

Im Mai 1984 kam Pater Vicente, ein spanischer Burgos-Pater, der seit vielen Jahren in Mosambik lebt und arbeitet und durch einen Hilferuf in Publik-Forum die Schulpartnerschaften ins Leben gerufen hat, nach Deutschland und besuchte auch die Altenaer Gruppe. Er berichtete in einer öffentlichen Veranstaltung über Mosambik und machte deutlich, wie sehr vor allem die Kinder von Hilfe aus den Ländern des Nordens abhängen. Im Anschluß schlug er den Altenaern vor, ein "eigenes" Projekt zu übernehmen.

Im September desselben Jahres kam sein Vorschlag: Ancuabe sollte es sein. Er schrieb: "Alles ist ein Projekt", die Kinder in Ancuabe brauchen Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs, vor allem Schulmaterial und eine Schule aus festen Häusern, die nicht nach jeder Regenzeit fast auseinanderfallen.

So nahmen wir allen Mut zusammen und begannen, die Schule von Ancuabe zu unterstützen. Wir wußten, daß diese Entscheidung uns für viele Jahre binden würde, denn man kann nicht bei Menschen Hoffnungen wecken und dann plötzlich das Interesse an ihnen verlieren. Man übernimmt eine Verantwortung, die man nicht einfach wieder abschütteln kann, wenn man keine Lust mehr hat.

Seither wird mit Hilfe vieler Bürgerinnen und Bürger aus Altena die Primarschule 2. Stufe - eine Schule mit Kindern im 6. Und 7. Schuljahr , zur Zeit 286 Kinder - unterstützt. In den ersten Jahren wurden mit Hilfe der GTZ Container mit Hilfsgütern geschickt. Dann jedoch wurde dies für die Partner in Mosambik durch Zoll und Transportkosten im Lande untragbar. Außerdem wurde es wichtiger, die zaghaft entstehenden Fabrikations- und Handwerksbetriebe in Mosambik zu stärken, indem man die nötigen Güter dort einkaufte. Wir verlegten uns also auf das Sammeln und erwirtschaften von Geldmitteln.

Das Ziel, eine feste Schule zu bauen, geriet in den Vordergrund, da die Häuser aus lokalen Materialien - Lehm, Reisig, Bambus und Gras - nach spätestens drei Regenzeiten völlig neu errichtet werden müssen. Eine Schule aus Stein würde also Kräfte freisetzen für andere Aufgaben und würde den Kindern in Ancuabe bessere Möglichkeiten zum Lernen bieten. In einem Land, in dem die Analphabetenrate noch immer bei 70 % liegt, ist gerade der Ausbau des Bildungssystems eine wichtige Grundlage für die Entwicklung.

Inzwischen ist es gelungen, mit Hilfe von vielen Menschen aus Altena, die Geld gespendet haben, Dinge auf den Flohmärkten oder Weihnachtsmärkten des Partnerschaftsprojektes gekauft oder sonst die vielfältigen Aktionen unterstützt haben, drei ebenerdige Schulhäuser mit je zwei Räumen zu bauen. Es gibt nun also 5 Klassenräume und einen Raum für die Verwaltung und die Lehrer. Im Laufe der Zeit konnten auch Schulbänke und Lehrertische angeschafft werden und hin und wieder auch Sportmaterial und Hefte und Stifte für die Schülerinnen und Schüler.

Das nächste Ziel ist es, weitere Klassenräume zu bauen, denn die vorhandenen Räume reichen für die fast 600 Kinder , die inzwischen die Schule besuchen, nicht aus. Auch werden dringend Lehrerhäuser benötigt. Mindestens ein Lehrer sollte in der Nähe der Schule wohnen, um auch in der unterrichtsfreien Zeit mehr Schutz vor Raub und Diebstahl zu gewährleisten. Das Ziel ist es, möglichst alle Lehrer in der Nähe der Schule anzusiedeln, damit die anstrengenden und zeitraubenden Fußmärsche zur Schule und anschließend nach Hause entfallen. Außerdem wären feste Wohnhäuser ein Anreiz, an der Schule der Kleinstadt (Ancuabe hat ca.25.000 Einwohner) zu arbeiten.
Der Wunsch nach Sportmaterial ist dein Dauerbrenner bei Schülern und Lehrern.

Das Partnerschaftsprojekt Ancuabe Mosambik e.V. ist eine kleine Gruppe,die leider auch immer kleiner wird durch Wegzug von Mitgliedern oder dadurch, daß bei den Einzelnen im Laufe ihres Lebensplanes andere Dinge in den Vordergrund rücken. Natürlich kann sie nicht alle Probleme der Schule in Ancuabe lösen. Aber sie kann dazu beitragen, daß ein paar hundert Kinder bessere Startmöglichkeiten ins Leben bekommen, das so unvergleichlich viel schwieriger ist als hier in Europa.
Die Gruppe arbeitet traditionell mit dem Erziehungsministerium in der Hauptstadt Maputo und der Erziehungsdirektion in der Provinzhauptstadt Pemba zusammen, um kein Parallelsystem zu dem bestehenden Schulsystem aufzubauen. Hierdurch ist auch eine weitgehende Kontrolle über die Verwendung der Mittel möglich.

Der Kontakt mit der Schule wird über Briefe in portugiesischer Sprache gehalten. Die Wege sind lang und der Posttransport nicht sehr zuverlässig, deshalb vergehen oft viele Monate, ehe wieder eine Nachrid´cht kommt. Da es in Ancuabe keine gesicherte Stromversorgung gibt, ist eine Verbindung über Telefon, Fax oder e-mail leider noch nicht möglich.

Insgesamt wurden seit 1989 - kleine Beträge, die hier oder da Reisenden mitgegeben werden konnten, nicht mitgerechnet - 92.500,-- US $ für die Schule in Ancuabe nach Pemba geschickt Die letzte Sendung von 20.000 US $ ging im Novemer 2004 ab . Eine Bestätigung per e-mail, daß der Betrag in Pemba avisiert ist, erhielten wir bereits wenige Tage später. Von diesem Geld wurden die dringend notwendigen sanitären Anlagen gebaut und ein Anschlußan die städtische Wasserversorgung ist geplant.

Schule

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