erlassjahr.de startet Ende März eine große Kampagne unter dem Slogan "Mit Schulden fair erfahren - damit nicht die Armen die Krise bezahlen".
Die Kampagne fordert die Bundesregierung auf, sich für ein internationales Insolvenzverfahren einzusetzen. Dafür möchten sollen Tausende von Unterschriften gesammlt werden. Sie werden auf regenbogenfarbenen Wimpeln gesammelt, die aneinander gehängt eine immer länger werdende Kette ergeben. Diese soll kurz vor der Bundestagswahl am 27. September in Berlin präsentiert werden.
Im Rahmen der Kampagne soll am 20. Juni das zehnjährige Jubiläum der "Kölner Kette" begangen werden. Dazu sind alle in Köln eingeladen, um das Erreichte zu bilanzieren, zu demonstrieren und natürlich auch zu feiern.
Weitere Informationen zur Kampagne und zur Feier in Köln auf der website "erlassjahr.de"
Die Parlamentarierkampagne wird derzeit von erlassjahr.de und vielen weiteren Entschuldungsbündnissen rund um den Globus vorangetrieben. Das Ziel der Kampagne ist es, eine Wiederholung der verfehlten Kreditvergabe an Diktatoren und für unsinnige Großprojekte zu verhindern, um so auch einer neuen Schuldenkrise vorzubeugen. Dazu sollen Parlamentarier/innen auf der ganzen Welt aufgefordert werden, sich verstärkt für eine Kontrolle der internationalen Kreditvergabe und die Streichung bestehender illegitimer Schulden einzusetzen. Durch die Unterzeichnung der Parlamentarierdeklaration können die Abgeordneten sich öffentlich zu diesen Zielen bekennen und sich selbst dazu verpflichten, darauf hinzuwirken.
Hier ist der Wortlaut der Parlamentariererklärung als PDF-Datei
Für weitere Informationen bitte auf der Website von erlassjahr.de nachschauen.
erlassjahr.de lädt zur Mitträgerversammlung Die diesjährige Mitgliederversammlung findet am 6. und 7. Juni in Bonn statt. Informationen zum Programm und das Anmeldeformular sind auf unserer Terminseite zu finden. Wir hoffen auf zahlreiches Erscheinen, eine produktive Versammlung und das Wiedersehen mit alten und neuen UnterstützerInnen!
| Robin : | Du sagst, wir müssen dafür sorgen, daß Mosambik die Schulden erlassen werden, aber ich sehe das gar nicht ein. |
| Heinz : | Solange Mosambik so viele Schulden hat, kann sich das Land doch gar nicht entwickeln. |
| Robin : | Aber genau dazu haben sie doch die Kredite gekriegt? |
| Heinz : | Aber jetzt frißt der Schuldendienst alles auf, was die Leute erwirtschaften. |
| Robin : | Ja, aber dann war das doch unverantwortlich, denen so viele Kredite zu geben, daß der Schuldenberg so hoch wird. |
| Heinz : | Paß mal auf, wenn du dir etwas borgst, z.B. bei der Sparkasse, dann mußt du es doch mit Zinsen zurückzahlen. |
| Robin : | Klar doch. Schenken tun die mir bestimmt nichts und verdienen wollen sie auch noch daran. |
| Heinz : | Eben. Und nun stell dir vor, du hast dir vorher ausgerechnet, ich zahle jeden Monat so und soviel zurück, dann bin ich spätestens dann und dann meine Schulden los. |
| Robin : | Klar. Da muß ich sparsam sein. |
| Heinz : | Ja, aber hör erst einmal weiter zu. Du zahlst also brav Zinsen und Tilgungsrate, also, was du jeden Monat zurückzahlen mußt. Aber auf einmal wird alles teurer, was du täglich zum Leben brauchst: das Brot, die Kartoffeln, das Gemüse... |
| Robin : | Fleisch, Wurst und Käse... |
| Heinz : | Genau; aber auch die Miete für die Wohnung, das Fahrgeld zur Arbeit |
| Robin : | Seife und Klopapier und .. |
| Heinz : | Ja, einfach alles! - Was passiert dann? |
| Robin : | Mhm, ich kann meine Raten nicht mehr bezahlen und kriege Ärger mit der Sparkasse |
| Heinz : | Siehst du, und genau das ist Mosambik passiert. |
| Robin : | Wie, die Kartoffeln und der Bus sind teurer geworden? |
| Heinz : | Na, im übertragenen Sinne. Die Produkte und Rohstoffe, die Mosambik einführen mußte, und das Maismehl und Öl und auch alle anderen Verbrauchsartikel. Vor allem aber die Rohstoffe für die Industrie oder die Maschinen, mit denen die Mosambikaner versuchen, eine Industrie aufzubauen. |
| Robin : | Ja, aber dafür könnten sie doch Zucker und Cashewnüsse und Kokosnüsse exportieren. |
| Heinz : | Schon richtig, aber dafür bekommen sie jedesmal weniger Geld, so daß einfach nichts mehr für die Importe übrig bleibt. |
| Robin : | Also müssen sie wieder einen Kredit aufnehmen, und wieder einen, und wieder einen ... |
| Heinz : | Und dann kriegen sie keinen mehr, weil sie die Raten nicht bezahlt haben. |
| Robin : | Ach du Schreck, und jetzt? |
| Heinz : | Jetzt können sie nichts mehr produzieren... |
| Robin : | und dann können sie auch nichts mehr verkaufen. |
| Heinz : | Genau so ist es - und alles wird immer teurer und teurer und teurer für die Leute. |
| Robin : | Halt! - Ich weiß, was sie jetzt tun können. Jetzt können sie bei IWF und Weltbank um Hilfe bitten. |
| Heinz : | Da hast du einen guten Einfall. Genau das haben sie auch getan. Aber die haben natürlich erst einmal Bedingungen gestellt. |
| Robin : | Was denn für Bedingungen? |
| Heinz : | Nun, zum Beispiel, daß die Kinder Schulgeld bezahlen müssen und die Bücher bekommen sie auch nicht mehr umsonst. Und beim Arzt und bei den Gesundheitsstationen müssen die Menschen auch bezahlen, wenn sie krank sind und Behandlung oder Medikamente brauchen. |
| Robin : | Aber du hast doch erzählt, daß die meisten Menschen in Mosambik überhaupt kein Geld verdienen, weil es keine Jobs gibt und daß sie von dem Leben, was sie auf ihrem Feld anbauen. Wo sollen sie denn das Geld hernehmen? |
| Heinz : | Ja, siehst du, danach fragen IWF und Weltbank nicht. Sie machen diese Vorschriften, nennen es Strukturanpassungsprogramm und fertig. |
| Robin : | Aber das ist doch gemein! |
| Heinz : | Nee, da ist Weltwirtschaft. |
| Robin : | Und davon wird Mosambik die Schulden los und alles wird besser? |
| Heinz : | Nein, weder noch. |
| Robin : | ??????????????? |
| Heinz : | und genau deshalb müssen wir uns dafür einsetzen, daß Mosambik die Schulden erlassen werden, die sie sowieso nie zurückzahlen können. |
Der IWF und die Weltbank haben die Armutsbekämpfungsstrategie der mosambikanischen Regierung genehmigt. Als Belohnung gab es im September 2001 einen multilateralen Schuldenerlass in Höhe von 641 Mio. US$ sowie weitere bilaterale Erlasse (jeweils zwischen zwei Staaten) in erheblicher Höhe. Dieser Ausgang entspricht zum größten Teil den Forderungen der internationalen Kampagne für eine sozial gerechtere Lösung des Schuldenproblems der ärmsten Länder (HIPC), an der sich auch der KKM beteiligt hatte. Mosambik wurden nicht nur Schulden erlassen, sondern auch eine neue Akzentuierung der Entwicklungszusammenarbeit angeboten, eine auf Partizipation der Zivilgesellschaft basierende Armutsbekämpfung. Gibt es nun Friede, Freude, Eierkuchen in der internationalen Solidarität? Ist der biblische 7. Tag, an dem sich Gott nach erledigter Arbeit zur Ruhe gelegt hat, gekommen? Sollen wir - so wie einst Gott nach der Schöpfung - uns ausruhen und uns auf die Kontemplation unseres Meisterstücks konzentrieren?
Es gibt Gründe, dieses Ergebnis zu feiern. Die wichtigsten wurden bereits erwähnt: Schuldenerlass und Armutsbekämpfung. Wichtiger noch als die tatsächlichen Maßnahmen, die ergriffen wurden, ist jedoch das gewachsene Bewußtsein in den Geberländern und -Institutionen für die unabdingbare Rolle, die Partizipation und eine soziale Ausrichtung der Wirtschaftspolitik im Entwicklungsprozess spielen kann. Sowohl der IWF als auch die Weltbank formulieren dies. Auch die Einführung von "ownership" ist ein weiterer Grund, die neue Entwicklung willkommen zu heißen. "Ownership" gibt die Verantwortung für die Gestaltung von Entwicklung zurück an die Entwicklungsländer.
Bei genauerer Betrachtung der zu Recht gepriesenen Errungenschaften schleicht sich allerdings der Verdacht ein, dass sich das von uns als Meisterstück betrachtete Ergebnis erst als Gesellenstück erweisen könnte. Partizipation und Armutsbekämpfung sind schöne Worte, aber wie sieht die Wirklichkeit in Wirklichkeitaus? Dürfen wir davon ausgehen, dass sich die Wunschvorstellungen realisieren werden, die wir mit dem Begriffspaar identifizieren? Wird es durch Partizipation bei der Armutsbekämpfung mehr Demokratie und weniger Arme geben?
Das von Mosambik vorgelegte Konzept zur Armutsbekämfpung (Poverty-Reduction-Strategy-Paper, PRSP) sowie die Art und Weise, wie es entstanden ist, lassen Zweifel aufkommen. Das Papier fasst im Wesentlichen alle bereits laufenden Entwicklungsvorhaben zusammen - z.B. zur Bildung, zur ländlichen Entwicklung, zur AIDS-Problematik, zur Familienplanung und benennt Querschnittsthemen wie "empowerment" von Frauen oder Jugendarbeitslosigkeit. Die formulierten Ziele sind nicht in eine Prioritätenhierarchie gebracht.
Das Herzstück der Strategie bleibt der vom IWF geförderte Glaube an Wirtschaftswachstum als wichtigste Voraussetzung der Bekämpfung der Armut. Obgleich einige organisierte zivilgesellschaftliche Gruppen im Ausarbeitungsprozess des PRSP gehört wurden und auch einige ihrer Punkte aufgenommen wurden (wie Bekämpfung der Korruption), fand keine breite Diskussion der Strategie im Land statt. Es wurde nicht einmal im Parlament verabschiedet, obwohl der mosambikanische Staat internationale Verpflichtungen eingegangen ist, die folgenreich für das Land sind.
Unsere kritischen Überlegungen zur Thematik kristallisieren sich am folgenden Punkt: Die Armutsbekämpfungsstrategie definiert die Halbierung der absoluten Armut als Ziel. Das Verständnis des Problems gründet auf der Annahme, daß Mosambik Arme hat. Mit einer Quote der absolut Armen von mehr als zwei Drittel der Bevölkerung untertreibt diese Ansicht jedoch das Problem. Das Land hat keine Armen, sondern das Land selbst ist arm. Als Folge dieser Erkenntnis müßte man Armutsbekämpfung nicht als Ziel, sondern als Mittel zur Entwicklung des Landes betrachten. Armut könnte wirksam bekämpft werden, in dem Leistungen der sozialen (Grund-)Sicherung gegeben werden, die den Menschen "Luft" verschafft, sich nachhaltige Strategien der eigenen Versorgung, des eigenen Verdienstes aufzubauen.
Selbst die Weltbank hat die Relevanz der sozialen Sicherung für die Schaffung von Bedingungen für Entwicklung erkannt. Der Armutsbekämpfung liegt auch die Idee des "sozialen Schutzes" zugrunde, d.h. Maßnahmen, die das "Humankapital" verbessern oder schützen. Davon ist aber in der mosambikanischen Strategie kaum die Rede. Wenn die Armutsbekämfpung als Mittel zur Entwicklung verwirklicht würde, müßte soziale Sicherung stärker beachtet werden.
Die historische Erfahrung in den Industriegesellschaften mit Ausnahme der Vereinigten Staaten (abgesehen vom "New Deal") zeigt, wie notwendig soziale Sicherung für die Einbeziehug der Menschen in institutionalisierte politische Auseinandersetzungen war. In diesen Gesellschaften gibt es immer noch Arme, aber sie verfügen über institutionelle Rahmenbedingungen für ihren Kampf. Die Auseinandersetzung mit der Gestaltung der sozialen Sicherheit könnte einen erheblichen Teil des demokratischen Prozesses ausmachen, der ja in Gang gesetzt werden soll. Soziale Sicherung böte der neuen Entwicklungspolitik die theoretische Möglichkeit, Partizipation und Armutsbekämpfung anhand der Schaffung langfristiger Institutionender Vorsorge zu verwirklichen.
Der Haupteinwand gegen soziale Sicherung in den Entwicklungsländern ist der berechtigte Verweis auf die fehlende Beitragsbasis und die schwache wirtschaftliche Leistung. Aber ist damit die Diskussion beendet?
Mit Sicherheit nicht, denn die neue Entwicklungspolitik läßt viel Raum für Alternativen. Die dünne Beitragszahlerbasis könnte beispielsweise durch "Umverteilung" auf internationaler sowie nationaler Ebene verwirklicht werden. Auch davon wird wenig gesprochen. Die Übertragung der Verantwortung für die Armutsbekämpfungsstrategien an die armen Staaten selbst (Country-Ownership), entlässt aber die Geberländer nicht aus ihrer Verantwortung für die internationalen Rahmenbedingungen - wie Welthandel, Kapitalströme und Investitionen. International wird kaum von dem Ziel gesprochen, 0,7 % des BIP(Bruttoinlandsprodukts) in den Industriestaaten für die Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen. Eine andere Quelle wäre die Einführung der Besteuerung von Börsenumsätzen (die sog. Tobin-Steuer), wie sie prominent von den Attac-Gruppen gefordert wird. Dies sind nur zwei Möglichkeiten, Gelder bereitzustellen, die für die Schaffun einer institutionell untermauerten Grundsozialsicherng in den Entwicklungsländern notwendig wären.
PS. Sehr breit wird dieser Punkt auf einer internationalen Konferenz zur Finanzierung von Entwicklung diskutiert.
| Entwicklung braucht Entschuldung |
Insolvenz ohne Insolvenzrecht
Viele Menschen haben eine solche Entwicklung selbst erlebt. Sie hatten keinen Einfluss darauf, für welche Zwecke die Regierung Kredite aufgenommen hat und wo das Geld geblieben ist. Und sie haben auch keinen Einfluss darauf, wie die Bedingungen für einen Schuldenerlass aussehen.
| Entschuldung muss fair sein! |
Derzeit entscheiden die Gläubiger allein...
Bei ihren jährlichen Treffen ("Weltwirtschaftsgipfel") beschließen die Regierungen der 7 wichtigsten Industrieländer die Leitlinien für den Schuldenerlass. Ihr Ziel ist dabei, den Erlass derjenigen Forderungen zu ermöglichen, die sie ohnehin nie wieder bekommen würden, damit der Rest umso sicherer kassiert werden kann. Die Schuldner selbst werden nicht einmal angehört.
Umschuldungen und Erlasse der Schulden, die Entwicklungsländer bei anderen Staaten haben, werden anschließend im sogenannten "Pariser Club" ausgehandelt. Das ist der Zusammenschluss der Gläubigerregierungen. Hier wird die Schuldnerregierung angehört. Von der Entscheidung, ob und wenn ja, wieviel Schulden erlassen werden, ist sie aber ausgeschlossen. Die Gläubigerbanken haben sich im "Londoner Club" zusammengeschlossen. Sie bestellen den Schuldner erst zu sich, wenn sie die Bedingungen für einen Erlass bereits beschlossen haben.
| Fair heißt: ein Anhörungsrecht für alle Betroffenen! |
... die Gläubiger sind Kläger und Richter in eigener Sache ...
Wenn in Deutschland Menschen oder Unternehmen zahlungsunfähig sind, wird von einem ordentlichen Gericht auf der Grundlage eines Gesetzes - des Insolvenzrechts - entschieden. Weder der Gläubiger noch der Schuldner kann selbst festlegen, ob und wenn ja welche Schulden unter welchen Bedingungen zu erlassen sind. International entscheiden die Gläugiger auf der Grundlage von Gutachten des Internationalen Währungsfonds.
Der IWF ist nicht nur selbst Gläubiger, sondern auch noch Gutachter und Vollstrecker:
Umschuldungen und Erlasse gibt es nur auf der Grundlage seiner Länderanalysen und unter der Bedingung, dass seine wirtschaftspolitischen Auflagen erfüllt werden.
Dabei ist der IWF keine neutrale Instanz, da die Stimmrechte von den Einlagen der Mitgliedsstaaten abhängen. Den mit Abstand größten Einfluss haben die USA ( 17,35 %), gefolgt von Japan (6,23 %), Deutschland (6,08 %), sowie Großbritannien und Frankreich (je 5,2 %). Die 120 Entwicklungsländer - ohne Osteuropa und China - verfügen zusammen nur über 25 Prozent der Stimmrechte.
| Fair heißt: Das Existenzminimum ist sichergestellt. |
... und es existiert kein Schutz für die Armen.
Die direkt betroffene Bevölkerung des überschuldeten Landes hat keine Möglichkeit, ihre Grundrechte, wie das Recht auf Nahrung, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen oder eine minimale Infrastruktur geltend zu machen. Sie bekommt - anders als ein überschuldeter Bürger in Deutschland - kein Existenzminimum zum Überleben zuerkannt.
Das Ergebnis ist eine absurde Serie von Umschuldungen, Um-Umschuldungen undUm-Um-Umschuldungen. Manche Länder wurden bis zu dreizehn Mal im Pariser Club verhandelt. Selbst manche Gläubigervertreter räumen ein, dass es für alle Beteiligten besser gewesen wäre, man hätte einmal einen weitreichenden Schnitt gemacht, der dem Schuldner einen wirklichen Neuanfang ermöglicht hötte. Aber dazu bedarf es eines anderen Verfahrens.
| Fair heißt: das Entschuldungsverfahren ist unparteiisch! |
Ein Schiedsverfahren regelt Streitfragen
Da zwischen Staaten keine unparteiischen Gerichte und Vollzugsorgane existieren, kommt - wie international bei Streitfragen zwischen Staaten üblich - ein Schiedsverfahren zur Anwendung. Schuldner und Gläubiger benennen gleich viele Schiedspersonen. Die benannten Schiedsrichter einigen sich auf eine weitere Person. Dann beginnt das Verfahren. Entschieden wird mit einfacher Mehrheit.
Schiedsverfahren machen wenig Aufwand und sind sehr effizient.
Eine neue Bürokratie ist nicht nötig. Allenfalls kann eine geeignete Behörde der Vereinten Nationen die Funktion eines permanenten technischen Sekretariats übernehmen. Dieses wäre neutral, da die Vereinten Nationen weder Schuldner noch Gläubiger sind.
Gerade die Armen profitieren.
Ein faires und transparentes Schiedsverfahren kann überhaupt dazu führen, Zugriff auf Korruptionsgelder eigennütziger Herrscher und Politiker zu bekommen. Im Rahmen eines unparteiischen Verfahrens, bei dem die Lasten nicht länger auf die ärmsten Bevölkerungsgruppen abgewälzt werden, haben erstmals beide Seiten ein Interesse daran, dunkle Geschäfte aufzuklären und Mittel wieder zugänglich zu machen.
Sind die Forderungen umsetzbar?
Da keine internationalen Strukturen geschaffen werden müssen, braucht es allein den politischen Willen der Beteiligten. Auch der "Pariser Club" agiert heute ohne eine Grundlage im Völkerrecht. Vielmehr erlauben nationale Gesetze - wie das deutsche Haushaltsgesetz - "den Verzicht auf Forderungen im Rahmen multilateraler Vereinbarungen". Nirgendwo steht, dass es sich dabei um unfaire und einseitige Vereinbarungen handeln muß.
| International setzen sich der Generalsekretär der UNO, der Papst und zahllose Kampagnen und Nichtregierungsorganisationen (NRO's) für ein "Faires und Transparentes Schiedsverfahren " (englisch:FTAP) ein. |
Und was können Sie tun?
Unterstützen Sie mit ihrer Stimme die Aktion: Entschuldung fair ändern. Helfen Sie uns Druck zu machen bei den Politikern und Verantwortlichen. Unterschreiben Sie den Apell! Für Ihre Unterschrift ist ein besonderes Etikett vorbereitet. Das unterschriebene Etikett wird an einen Ring geklebt, der so zu einem "Fairness-Ring" wird.Sichtbares Zeichen für Ihre Ja-Stimme zur fairen Entschuldung.
Sie haben verschiedene Möglichkeiten, sich mit einem Fairness-Ring an unserer Aktion zu beteiligen:
Mehr als 600 Initiativgruppen sammeln ab 16. März in ganz Deutschland Fairness-Ringe, die aufeinander gestapelt bei 100.000 Stimmen einer Turmhöhe von 300 m entsprechen, 1 Million Stimmen mehr als 3 km.
Sie haben es in der Hand, wie hoch unser "Fairness-Ring-Turm" wird und wie deutlich und druckvoll die Forderung ausfällt.
In Altena sind die Kath. Kirchengemeinde St. Matthäus und das Partnerschaftsprojekt Ancuabe/Mosambik Mitträger der Kampagne für ein "Faires und Transparentes Schiedsverfahren" und bitten Sie um Ihre Unterstützung.
Die Mitgliederversammlung des Koordinierungskreises Mosambik hat eher Seminarcharakter. Man trifft sich nicht nur für zwei Stunden, um die Regularien abzuhandeln, sondern für eineinhalb Tage. Die notwendigen Tagesordnungspunkte werden eher nebenher abgehandelt, sind der Anlaß, sich zu treffen und auszutauschen, nehmen den geringsten Raum ein. Nur die Jahresrechnung und der Haushaltsplan für das laufende Jahr sind natürlich schwierige Themen, muß die Geschäftsstelle doch immer wieder von neuem Geldquellen finden, damit der Fortbestand gesichert werden kann. Ein mühsames und oft frustrierendes Geschäft. Bis jetzt hat es noch geklappt. Die Zukunft ist immer fraglich. Mit grimmigem Sarkasmus könnte man feststellen, daß das gut zum Thema Mosambik paßt.
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Mosambik ist eines der ärmsten Länder der Welt und war bis zum September 2001 auch eines der höchst verschuldeten Länder der Welt, gemessen nicht in absoluten Zahlen sondern im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, also zu dem, was das Land selbst erwirtschaften kann. Im September wurden die Schulden um 73 % reduziert. Das hört sich zunächst einmal ganz hervorragend an. Die verbleibende jährlich fällige Schuldenlast beträgt noch 53 - 60 Mio. US $, was soviel heißt, daß Mosambik wöchentlich 1 Million US$ an die internationalen Geldgeber zu zahlen hat. Die Prognose für die Zukunft sieht so aus, daß mit einer jährlichen Neuaufnahme von 72 Mio. US$ gerechnet wird, fallend auf 50 %. Wenn die Prognosen der Weltbank zutreffen, daß Mosambik eine Wachstumsrate von 8 % haben soll, dann würde das Land den Schuldendienst in der Zukunft irgendwann verkraften können, wenn... |
Nicht berücksichtigt darin sind natürlich Naturkatastrophen wir Dürre oder die große Flut, die Mosambik in den vergangenen Jahren heimsuchte und alle positiven Berechnungen zunichte machte.
Viele Länder geben Mosambik deshalb inzwischen die Entwicklungshilfe in Zuschüssen statt in Krediten, außer IWF und Weltbank, die natürlich über die Kredite die Kontrolle behalten möchten.
Dr. Bernd Schubert von der Humboldt-Universität Berlin (früher Seminar für ländliche Entwicklung TU), der von 1990 - 95 in Mosambik half ein Sozialhilfesystem aufzubauen und im vergangenen Jahr mit einer Parlamentarierreise dorthin zurückkehrte, um sich ein Bild von der Entwicklung zu machen, gab sehr differenzierte Einblicke in die Armut Mosambiks.
Laut Statistik leben 70 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, die bei einem Verbrauch von 1,5 $ pro Monat angesetzt wird. Die Statistiken stammen von 1997 und zu dem Zeitpunkt war 1 $ gleich 10.000 Meticais (Landeswährung) 160.000 Met. sind das was eine Person pro Monat mindestens braucht. Das heißt aber nicht , daß diese 70 % diesen Betrag auch zur Verfügung haben. Die Armut reicht viel tiefer.
53 % haben gerade einmal so viel, daß es für die Grundernährung reicht z.B. ca. 12 $ pro Monat. Nun braucht man ja aber auch Kleidung, Hygieneartikel usw. 60 % derer, die unter der Armutsgrenze leben, haben weniger als 10 $ pro Monat, also weniger als 1/3 $ pro Tag. Das reicht nicht mehr für die Ernährung und bedeutet, daß 38 % der Gesamtbevölkerung weniger als 1400 Kalorien pro Tag haben. Da ist durchaus schon die Gefahr des Verhungerns gegeben.
| Wir sehen übrigens immer die Slums der Großstädte und glauben, dort ist die Armut am schlimmsten. Es ist jedoch so, daß die Armut auf dem Lande noch viel gravierender ist, nur, dort sieht man sie gemeinhin nicht. Die Subsistenzwirtschaft ist übrigens in der Statistik berücksichtigt. Es geht also nicht um das Einkommen, also, das Geld, das man tatsächlich zur Verfügung hat - die Menschen, die von der Subsistenzwirtschaft leben haben ja keines - sondern die Erhebungen richten sich nach dem was verbraucht werden kann. |
In weiteren Statistiken hat man die Ursachen der Armut erforscht und die Gesamtzahl der Haushalte in die aufgeteilt, die Mitglieder haben, die in der Lage sind, etwas zum Lebensunterhalt beizutragen und die, die keinen Beitrag dazu leisten können, also Kinder, Alte, Kranke (das sind 60 %) und man hat sich die Haushaltsgrößen angeschaut.
Man hat auch die Korrelationen zwischen Armut und Bildung zu erfassen gesucht und festgestellt, daß schon eine vierjährige Grundschulausbildung eine Verbesserung der Lebensumstände bedeuten kann. 97 % der Frauen sind jedoch noch jetzt durch die Umstände vom Schulbesuch ausgeschlossen.
Bei der Untersuchung, wie sich mehr Grund und Boden für die einzelnen Haushalte auswirken würde, fand man nur eine geringe Verbesserung, mehr Tiere (Ziegen, Hühner, Schweine ...) bedeuten jedoch einen hohen Effekt.
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Es ist also wichtig, sich die 70 % der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, genauer auf den Grad der Armut hin anzusehen. 50 % davon sind absolut Arme, die entweder keine Arbeit haben, oder zu wenig Land, oder nicht die richtigen Strategien, oder einfach nicht genügend arbeitsfähige Familienmitglieder. Für die letzteren genügt es nicht, Ausbildungsprogramme , Saatgut , Food-for-Work-Programme , Kleinkredite oder ähnliches zur Verfügung zu stellen - das was wir Hilfe zur Selbsthilfe nennen - sie brauchen schlichtweg Hilfe zum Lebensunterhalt, Sozialhilfe. Dies sind Familien, die hauptsächlich aus Alten, Kranken und Kindern bestehen, weil beispielsweise die Eltern an Aids erkrankt oder gestorben sind. |
Nun hat man auch noch versucht, herauszufinden, wem eigentlich die preissubventionierten Lebensmittellieferungen zugute kommen und hat auch hier wieder feststellen müssen, daß die absolut Armen davon ausgeschlossen bleiben, weil sie auch das wenige Geld nicht haben, um den subventionierten Mais zu kaufen. Er kommt also auch wieder am meisten denen zu gute, die zu den Reichsten zählen.
Mosambik hat in seinem Armutsbekämpfungsprogramm das Ziel formuliert, diesen ärmsten Familien mit 2,5$ Überlebenshilfe pro Kopf monatlich unter die Arme zu greifen. Allerdings wird dieses Ziel bis jetzt noch lange nicht erreicht. Bis jetzt wurden maximal 2 $ pro Haushalt (Haushalt durchschnittlich 6 Personen) erreicht. Dr. Schubert erläuterte die Programme im einzelnen und machte dabei deutlich, daß es bei der Verwirklichung auf den politischen Willen, auf die richtige Organisation und vor allem auch auf das tatsächliche Wachstum des Bruttoinlandsproduktes ankommt. Was dabei überhaupt nicht berücksichtigt ist, ist das Riesenproblem AIDS, das noch immer weitgehend tabuisiert wird.
Vom 8.11. bis 10.November 02 fand im Christlichen Jugenddorfwerk in Bonn die alljährliche Mitträgerversammlung des Bündnisses "erlassjahr.de - Entwicklung braucht Entschuldung" statt. Zum Auftakt hielt der Claudio Lozano am Freitag abend einen Vortrag mit dem Thema "Die erste Schuldenkrise des 21. Jahrhunderts". Darin ging er auf die Verschuldung Argentiniens ein. Am Samstag vormittag stand die Bilanz des vergangenen Jahres auf dem Programm. Jürgen Kaiser, einer der Hauptamtlichen der Kampagne, hinterfragte: Was ist politisch passiert? Wie hat sich das Bündnis entwickelt? Das Ergebnis war nicht hoffnungslos. Als erstes Ziel wurde zum wiederholtem Male formuliert, dass mindestens einverschuldetes Land bis zum Ende des Jahres 2004 ein faires und transparentes Entschuldungsverfahren durchlaufen haben soll.
Nebenbei soll die Zahl der Mitträger Ende diesen Jahres die magische 1000er Grenze (aktueller Stand 864 Mitträger) überschreiten. Ein vorrangiges Thema der Tagung war allerdings die Planung für das Jahr 2003. Hier stehen folgende zwei große Ereignisse an:
Nähere Informationen zum Thema und zu den Veranstaltungen werden in den Medien bekannt gegeben und können abgefragt werden bei:
PS: Es werden immer noch Fairness-Ringe gesammelt, die Höhe des Turms nähert sich bundesweit bereits der Höhe des Eiffelturms. Wer hat noch keinen unterschrieben? Möglichkeit besteht in der St. Matthäus Kirche und in der Stadtbücherei.
Mehr Informationen unterInformationen zur Globalisierungskritik findet man beim
Attac Netzwerk